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IRYS – I Respect Your Sexuality

DATE/DATUM 13 Oct 2018
19:00 - 21:00
EVENEMENT/EVENT Other

BILLETS Free
INFO

Zwangsheirat – eine Verletzung der sexuellen Integrität und der Menschenwürde

 

Die unfreie Partner/Innenwahl geht mit Zwängen rund um intime Lebensbereiche einher. Sogenannte Heiratsbürden sind Einschränkungen und Vorschriften rund um Heirat und Lebensführung. Beispielsweise ist aus einer traditionalistisch-konservativen Perspektive Sexualität nur innerhalb einer Ehe möglich. Oder es wird vorgeschrieben, in welchem Alter man zu heiraten hat oder wie gross der Altersunterschied zum Partner/zur Partnerin sein darf. Endogamische Vorschriften besagen, dass nur innerhalb der eigenen Herkunftsgruppe geheiratet werden darf: Der Partner muss aus demselben Land kommen, oder muss denselben ethnischen Hintergrund haben oder der gleichen Religion angehören. Auch wird eine Heirat vorausgesetzt: ein Leben als Single oder im Konkubinat ist undenkbar. Dies sind Zwänge, die zu einer Zwangsheirat führen können: es sind Bevormundung, die einen ganz persönlichen Lebensbereich betreffen. Bei Zwang rund um Beziehung, Partner/Innenwahl, Heirat und Sexualität werden intime Wahlmöglichkeiten den Normen einer Gemeinschaft untergeordnet. Individuelle Rechte werden damit missachtet, die persönliche und auch sexuelle Integrität verletzt. Wenn Andere entscheiden, mit wem ein Individuum das Bett und das Leben teilen muss, handelt es sich um eine klare Menschenrechtsverletzung.

 

Im Vortrag werden Begrifflichkeiten wie Zwangsheirat, arrangierte Heirat, Minderjährigen Heirat und Zwangsehe geklärt und die Frage gestellt, wo der Zwang beginnt. Komplexe Ursachen von patriarchalen Strukturen, überkommenen Traditionen und einer überstarken Orientierung an der Familie werden ergründet. Dies wird in einen Migrationskontext gestellt und es wird veranschaulicht, welche Herausforderungen das Leben “in zwei Welten” von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in der Schweiz in diesem Kontext beinhalten kann. Dabei wird zur Problematik der unfreien Partner/Innenwahl ohne Verunglimpfungen und ohne Verharmlosungen reflektiert. Menschenrechtsverletzungen gibt es in vielen Gesellschaften: auch in der Schweiz wurde den Frauen das Stimm- und Wahlrecht lange vorenthalten. Das entschuldigt sie aber nicht und es sollte darüber nachgedacht werden, wie in Fällen von Zwangsheiraten vorgegangen werden kann.

 

Denn bei Zwangsheiraten handelt es sich nicht um ein Randphänomen: die Fachstelle Zwangsheirat, die als Kompetenzzentrum des Bundes fungiert, hat bis heute in über 2200 Fällen beraten. Und dies ist nur die Spitze des Eisbergs.

 

Bezeichnung & Funktion:

Anu Sivaganesan, MLaw

Juristin und Präsidentin Fachstelle Zwangsheirat, Kompetenzzentrum des Bundes.

 

Mehr Infos unter: www.irys.ch und www.zwangsheirat.ch

LIEU/ORT hauspourbienne
Biel/Bienne

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