Sa-Ves
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Sa-Ves ist Zuhause angekommen

Mit seinem neuen Album «Journey Home» ist der Bieler Rapper Sa-Ves gleich auf den 20. Platz der Schweizer Album Charts eingestiegen. Dabei ist Sa-Ves keine Eintagsfliege, denn hierbei handelt es sich schon um sein 9. Album. Darauf erzählt er über die Reise seines Lebens. Doch auch über Wut und Trotz gegenüber dem System, wahre Freundschaft und dem Weg zum eigenen Glück.

Sa-Ves

Sa-Ves ist aber kein normaler Bieler Rapper. Es ist Geschmackssache, ob man ihm gerne zuhört, oder nicht. Als halber Brite rappt er seine Lieder auf Englisch. Ein britischer Schweizer Bieler Rapper also. Spricht man Schweizerdeutsch mit ihm, hört man nach ein paar rollenden «R»’s seinen Akzent schnell raus. 1985 in Lugano geboren, zog er mit seiner Mutter und seinem Bruder ziemlich bald nach Withernsea in England – seine zweite Heimat. Nach ein paar Jugendsünden kam er mit 17 zurück in die Schweiz. Und hier ist er nun Zuhause, und repräsentiert BNC mit Stolz auf seine eigene Weise. Wir trafen ihn zu einem Interview um mehr über ihn und seine Musik zu erfahren.

Sa-Ves, am 1. März ist dein neues und erstes offiziell releastes Album «Journey Home» rausgekommen. Worum geht es?
Sa-Ves: Dieses Album ist ein Spiegelbild dessen, was ich in den letzten Jahren durchgemacht habe. Als 2005 plötzlich mein Bruder verstarb, gab es lange eine Leere in mir. Es war schwierig. Bis ich meine Frau kennen lernte, mein Sohn zur Welt kam, und mein Leben wieder eine Bedeutung erhielt. Aber wir machen alle eine Reise. Und irgendwann kommen wir Nachhause. Dieses Zuhause kann eine innerliche Zufriedenheit sein. Denn in diesen harten Zeiten habe ich das Gefühl, dass keine Lösung in Sicht ist. Daher denke ich, dass wir die Reise geniessen sollten, anstatt nur an unserem endgültigen Ziel sein zu wollen.

Was meinst du mit «harten Zeiten»?
Die Welt ist nicht vorher schon kaputt gewesen. Wir haben sie kaputt gemacht. Bomben hier. Bomben da. Ich werde Politikern erst vertrauen, wenn Menschen aufhören zu sterben. Darum geht es auch im Song «We need Truth» mit Tiz. Das Lied beginnt mit der Stimme meiner Mutter, die sagt: `A successful person benefits the economy. But a good person, will benefit mankind´ (dt. ein erfolgreicher Mensch, wird unserer Wirtschaft helfen. Aber ein guter Mensch, wird den Menschen helfen).

Im Refrain von «Defiant», rappst du: `Mein Mittelfinger ist gratis, aber glaub mir meine Liebe ist es nicht´. Mit wem rechnest du da ab?
An dem Tag als ich das aufnahm, kam ich wütend von der Arbeit direkt ins Studio. Defiant (dt. aufmüpfig) bedeutet hier für mich so viel wie: gegen das System sein, und gegen das, was alle machen. Ich habe das Gefühl, wenn man in diesem Game nicht den richtigen Arsch leckt, kommt man auch nirgends hin. Als 20 jähriger störte mich das. Da denkt man schnell: der hat dieses und jenes nicht für mich gemacht. Und ist schnell angepisst. Jetzt komme ich damit klar, dass ich hier bin wo ich bin. Ich habe mir selber einen Namen gemacht. Bin auch älter und zufriedener geworden, habe die beste Frau und zwei schöne Kinder, bin gesund – was will ich noch mehr?

`Sei glücklich´ ist deine Message in «As Happy as Larry». Was würdest du anderen empfehlen um ihre Zufriedenheit zu finden?
Wir leben in der Zeit wo Social Media alles prägt. Man sieht etwas und denkt sich: Vielleicht wäre ich viel glücklicher damit. Aber nein, geh deinen Weg, and be happy as Larry. Be happy, with what you got, and what you’re not (dt. sei glücklich wie Larry. Sei glücklich, mit dem, was du hast und was du nicht bist). Es muss nicht alles sein. Wir müssen aufhören anderen auf unserem Weg nacheifern zu wollen. Denn sonst bleiben wir für immer im Schatten. Aber sobald du deinen eigenen Weg gehst, und zufrieden bist mit dem was du willst und was du hast, geht die Sonne wieder auf.

Das ist sehr poetisch. Wie kamst du zum Rap?
Texten war schon immer meine Leidenschaft. Richtig mit der Musik angefangen habe ich aber erst 2005. Als mein Bruder starb musste ich ein paar Dinge loswerden. Denn wo ich aufgewachsen bin ist Hip-Hop nicht das Genre Nummer 1. Die Leute stehen eher auf House. Mit 14 beschimpfte mich ein Typ als `Wiga´ (ein weisser Schwarzer), weil ich zu «Das EFX» vor mich hin rappte. Nun 20 Jahre später, war ich letztens im KIFF in Aarau der Support Act von «Das EFX». Sie haben sich die Show im Backstage angesehen und gaben mir dafür Props. Was für eine Ehre!

2009 hast du dann mit deiner Crew NZN (Never Zay Never) das Mixtape «The Addiction» herausgebracht. 2010 folgte deine EP «Sweet & Sour». 2011 das Album «The Statement» mit NZN. 2012 dein nächstes Solo-Projekt «Two of a Kind». Danach hast du von 2012 bis 2014 gleich vier EP’s mit dem Berner BONEBeatz produziert…..
Ja wir wollten immer etwas mit ihm machen. Aber wenn du niemand bist, gibt dir auch niemand eine Chance. Nachdem ich ihm aber unser Album «The Statememt» gebracht habe, meinte er so: “Woah, du bist gut. Also los, wir produzieren etwas zusammen”. Danach half er mir noch «Two of a Kind» zu produzieren. Doch er wollte partout kein Schweizerdeutsch auf seiner Musik. Also machten wir 2012 «Prime Style Duo», 2013 «Ready for Battle» und 2014 «Moving Forward». 2015 veröffentlichte ich mit Kay-No aus Biel dann die letzte EP «Foreign Patriots».

Du hast richtig Gas gegeben. Warum hast du für dein neues Album vier Jahre gebraucht?
So ein Album ist ein Prozess. Ein Puzzle, welches ich mir lange überlegt habe. Ich habe mich auch etwas zurückgezogen, bin Vater geworden. Ende 2017 war das Album eigentlich fertig aufgenommen. Doch ich klang zu «sauber», fast wie Drake. Und ich mag es ein bisschen Oldschool. Das Säubern und Korrigieren dauerte eine Weile. Um es fertig zu stellen half mir dann Mister Personal (PSL), zu dem ich 3 Tage nach Rotterdam ging.

Zurück zu deinem Weg Nachhause. In «Going Home» sagst du `I still got love for With´ und singst dabei über Withernsea. Wo fühlst du dich nun Zuhause?
Doch am Schluss sag ich: `CH I’ve fallen in love without C-Date. I found you on ricardo, I didn’t need ebay. And each place I’ve been in this country is a dream. But the one place I feel like home is in Biel´. Ich fühle mich in der Schweiz, und vor allem in Biel, sehr wohl. Nach Withernsea zu gehen ist nun eher wie Ferien machen für mich. Auf dem Album Cover siehst du deshalb den Sonnenaufgang von Withernsea und den Sonnenuntergang von Biel. Aber ich denke nicht, dass ich nun in England so gut überleben würde, wie ich das hier in der Schweiz tue. Biel ist so offen. Biel ist mein Zuhause.


Am Samstag, 4. Mai präsentiert er nun sein Werk im X-Project in Biel. Nebst guter Musik, sind auch ein paar Special Guests wie der US Oldschool Rapper Edo G mit von der Partie. Für die happy Afterparty sorgen DJ Task und ein paar Special Shots.

Hier erfährst du mehr über Sa-Ves und seine Musik:

www.sa-ves.com